#18/2024
ohne Beschreibung
- hier handelt es sich um ein Foto -
~.~.~.~
Willkommen zu Agora - Bilddiskussion intensiv
Wir freuen uns, dass Du Dich intensiver mit diesem Foto auseinandersetzen möchtest.
Bei Agora liegt der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und Interpretation des Fotos
- NICHT in dessen Bewertung -
~.~.~.~
Diese Leitfragen können Dir dabei helfen, in die Welt des AGORA-Fotos einzutauchen
1. Was nehme ich wahr? (analytisch)
2. Wie interagieren die verschiedenen Elemente im Bild? (analytisch)
3. Welche emotionale Wirkung entfaltet sich bei mir? (emotional)
4. Welche Botschaft, welche Bildaussage, welche Geschichte erkenne ich? (Interpretation)
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Auf diese Weise erhältst Du die Möglichkeit, ein Foto eingehend zu erforschen und (möglicherweise) faszinierende und neue Aspekte zu entdecken, die Deine Fotografie auf ein neues Level heben können. Gleichzeitig erfahren die Bildautoren, welche anderen Interpretationen des Fotos existieren. Sie entdecken neue Blickwinkel und können so über ihr Foto und dessen Entstehung nachdenken.
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Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 04/06/2024 7:00
Agora wird hier fortgesetzt:Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 03/06/2024 10:35
das Agora Foto ab heute musste entfernt werden, weil der Autor kommentiert hatte. Wir werden morgen das neue Agorafoto zeigen.Gerhard Körsgen 01/06/2024 12:58
Hier noch die beiden Ausstellungsfotos die man im Hintergrund dieses Fotos sehen kann:Dann noch das Ausstellungsplakat, natürlich auch mit einem Foto von Susanne versehen:
Und zuguterletzt ihr Account in der fc, für alle die sie noch nicht kennen definitiv eine Entdeckung wert: sub
Agora 3.0 - Bildbesprechung intensiv 01/06/2024 7:47
Gerhard Körsgen schreibt:"Hallo agora-Gemeinde, vielen herzlichen Dank für die guten Bildbesprechungen !
Viele sehr aufschlussreiche und teils auch ausgesprochen feinfühlige
Kommentare gab es zu lesen, ich bin beeindruckt und mitunter sogar gerührt
(und nicht geschüttelt) ;-)
Das ist mein Abschlusskommentar den man ja bis Freitag Abend einsenden soll.
Darin gehe ich eher allgemein auf mein Foto ein.
Im Laufe des Wochenendes (wahrscheinlich eher Sonntag...) werde ich individuell
auf jeden der etwas schrieb eingehen um jeder Meldung gerecht zu werden.
Die Aufnahme machte ich am 18.01.2014 in Bremen im Gastfeld, einer Kulturkneipe
in der Neustadt in der regelmäßig sehr gute Fotoausstellungen stattfinden.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme stellte dort sub, eine liebe Kollegin und Freundin
aus der fc aus, gemeinsam taten wir das dann u.a. auch mit Folker Winkelmann im
nächsten Jahr, 2015, in Bad Laasphe.
Harald Hagedorn, meiner einer und Folker waren als "Schlachtenbummler" vor Ort
und unterstützten Susanne nach Kräften.
Hier war sozusagen der "Nukleus" des jetzigen "Dreigestirns von Bad Laasphe",
der Fotobiennale in der Initiator Harald Hagedorn, Folker und Ich regelmäßig
Fotokünster*innen aus aller Welt für ein paar Tage zusammenbringen.
...
Man sieht Folker in seiner typischen Art Gedanken spinnend / fabulierend zur Rechten.
Die beiden Personen im Hintergrund sind andere, mir unbekannte Kneipengäste die ich
nebst ein paar Fotos von sub an der Wand mit im Bild haben wollte um die Atmosphäre
dichter einzufangen und das Foto vielfältiger zu gestalten.
Das Foto machte ich mit einer Samsung EX1 Kamera die bei höheren ISO (über 400)
und Kunstlicht ihre Schwächen hat...hier waren es ISO 3200, was für die Samsung
"Ende der Fahnenstange" bedeutet bei 1/60 sec., ca. 55mm Brennweite und Belichtung
minus 1,7...also grenzwertig am Rande der Machbarkeit gemäß der technischen
Gegebenheiten. Blende 2,3 , also nur minimal abgeblendet, aber mehr ging halt nicht.
Kein Blitz weil alles gleich schummrig/dunkel war, lediglich ein schwacher Lichtschein
beleuchtete das Gesicht des Gitarristen.
Der Fokus sitzt bewusst "leicht daneben", Folker erkennt man eh, ich wollte die beiden
im Hintergrund sowie die Fotos aber auch noch erkenntlich haben, das hat sogar
halbwegs geklappt.
Das Foto ist nicht gecroppt sondern der gesamte originale Bildausschnitt.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme herrschte dort stark lila eingefärbtes Schummerlicht
weshalb ich das Foto so gut es ging in sw konvertiert habe, was aber noch zusätzliches
Rauschen verursachte.
Ich habe es etwas heller gemacht als die Lichtstimmung vor Ort tatsächlich war damit
man auch was erkennt, insbesondere die Mimik der Personen, aber auch ein wenig von
den Ausstellungsfotos.
Wir diskutierten intensiv über die Diskrepanz einerseits dort richtig gut
kuratierte Ausstellungen anzubieten, andererseits diese aber bei extrem ungünstigem
Licht laufen zu lassen bei dem man kaum etwas von der Klasse der Fotos erahnen kann.
Für Bad Laasphe wollten wir DAS definitiv besser machen.
Es spielte an dem Abend auch eine lokale Band und für den Abend war das definitiv
"die Attraktion" obwohl Susanne nebst ihren Werken auch vorgestellt wurde.
Der Gitarrenspieler im Hintergrund gehörte aber nicht zur Band, der hatte sein
Instrument "nur so" dabei.
Das Foto entstand nach Auftrittsende der Band als etwas Ruhe einkehrte und
Gespräche wieder möglich waren.
Es ist in der Tat ein reines Erinnerungsfoto und war eigentlich nicht zur
Veröffentlichung irgendwo gedacht, aber beim Neustart der agora fand ich es
zufällig wieder und so wie sich das entwickelte schöpfte ich Vertrauen dass es nicht
"zerrissen" wird, was in der techniklastigen fc in anderem Kontext sicherlich
passiert wäre.
Sobald ich am Wochenende Zeit finde (bin insbesondere Samstag sehr eingespannt...)
werde ich auch die zwei Fotos von Susanne verlinken, die sie auch in der fc
gezeigt hat nebst einer Portfolioempfehlung für diese tolle Fotografin, die wie die
meisten begabten streeter*innen in der fc völlig "unter dem Radar" läuft, die aber im
Gastfeld, welches insbesondere für die kompetente Kuratierung seiner Ausstellungen
bekannt ist (weniger für die Präsentation...) als einzige bisher zwei Ausstellungen
bekam, eine einzigartige Wertschätzung.
Ihr merkt an meinen langen Ausführungen: Ein Foto an dem für mich "viel hängt" und
daher hänge ich auch an ihm ;-)
Danke für die aufschlussreiche Auseinandersetzung damit, Gerry"
Bernadette O. 30/05/2024 19:24
Mein Thema bei diesem Bild wäre: Was man sieht und was man nicht sieht, aber ahnt.Da sind drei Menschen sichtbar. Jeder von ihnen schaut in eine andere Richtung.
Der Mann im Vordergrund ist wohl im Gespräch mit jemandem. Mit wem wohl? Worüber wohl?
Der Mann links hält eine Gitarre. Ob er wohl gerade darauf spielt? Ob sein Blick in sich selber und in seine Musik versunken ist? Oder ob er mit jemandem Augenkontakt hat?
Der Mann in der Mitte schaut nach links? Was er dort wohl so konzentriert beobachtet? Menschen? Oder sonst etwas?
Wie auch immer man diese Fragen beantwortet, ich habe das Gefühl, dass noch viel mehr Menschen im Raum sind. Das Bild zeigt nur einen kleinen Ausschnitt davon. Es lässt ahnen, dass ein geselliger Anlass stattfindet. Er lässt ahnen, dass diskutiert wird, dass es auch Musik gibt. Es lässt ahnen, dass an dem Anlass eher junge Menschen teilnehmen. Es lässt offen, ob auch Frauen anwesend sind ...
Zu sehen sind an der Wand hinten Bilder. Es sind Fotografien in schwarz-weiss. Ob diese Fotografien da immer hängen? Oder ob sie Teil einer Ausstellung sind? Sind die Anwesenden vielleicht sogar wegen der Ausstellung da?
Bei den Blicken in verschiedene Richtungen ist auch noch der Blick des Fotografen/der Fotografin zu erwähnen. Obwohl der/die Fotografierende sehr nah im Geschehen ist, gibt es keinen Blickkontakt zu ihm, zu ihr. Er/sie erfasst einfach einen Moment, einen Ausschnitt in diesem Raum. Und bringt damit enorm viel Stimmung herüber. Und lässt gleichzeitig vieles offen.
Für mich ein sehr interessantes, dichtes Bild, in dem ich viel entdecken kann. Danke fürs Zeigen hier.
togilsaram 30/05/2024 19:05
Einige Kommentatoren fühlen sich in ihre Jugendzeit versetzt und berichten über die damalige Gefühlswelt. Sicher, S/W und Körnung lassen eine analoge Aufnahme vermuten, trotzdem erweckt das Foto bei mir keine Erinnerungen an frühere Zeiten. Ich habe den Eindruck, dass die Kleidung deutlich moderner ist als die 70er Jahre.Auf mich wirkt das Bild sehr dicht, wie von „_visual_notes_“ angemerkt eben mittendrin und nicht nur dabei. Und trotzdem fühle ich mich außen vor, jede der Personen ist mit sich selbst beschäftigt, zumindest findet keine Interaktion mit den sichtbaren Personen statt.
Die Lichtreflexe auf den Bilderrahmen finde ich seltsam – vielleicht eine Aufnahme mit indirektem Blitz?
Der Gesichtsausdruck des Gitarrenspielers lässt mich vermuten, dass er sich gerade auf einen besonders schwierigen Akkord konzentriert.
Insgesamt ein Foto mit dem ich nicht sehr viel anfangen kann. Die Verdichtung durch den engen Ausschnitt gefällt mir jedoch.
dotroom 30/05/2024 18:02
Das Foto hinten an der Wand gefällt mir noch besser als der Rest.Das Foto einer Demo, wo die Beine und ihre Schatten zum Motiv werden.
Eventuell eine Demo. Die Gesichter wurden mit Absicht nicht gezeigt.
Ich kann nicht sagen, ob das Foto vor der Wende in Ost oder West aufgenommen wurde, oder ob es neueren Datums ist und auf alt getrimmt wurde.
Langhaarige gibt es auch heute noch, nur der Schnauzbart passt nicht in unsere Zeit.
Der Herr vorne am Tresen (?) bestellt gerade ein Bier. Könnte man ihn kennen? Ist es ein Promi, den nur ich nicht kenne
Die technische Qualität spielt m.M.n. keine Rolle, für das was übermittelt wird. Könnte in einer Studentenkneipe aufgenommen worden sein.
Horst.F 29/05/2024 14:21
P.S. zu meinem Kommentar unten::4. Vielleicht auch ein Versuch, das, was hier in der virtuellen Agora geschieht, in ein analoges Bild zu setzen?
wittebuxe 29/05/2024 11:13
3 Männer im Beisammensein an einem Klubabend, einem regelmäßigen Treffen von Fotoenthusiasten, von am Geschehen Interessierten, ohne (viel) Alkohol, kein Stammtisch, eher ein Denktisch, gepflegte, tiefsinnige Unterhaltung, diverse, sich widersprechende Ansichten, aber kein Streit. Zeit für Gitarrenmusik, nicht primär, eher nebenbei, als untermalende Unterhaltung, die Personen lassen sich von ihr nicht wegfesseln.Der eine hält seinen Kopf in der Halbschale der geöffneten linken Hand gestützt, er ist der Protagonist dieses Ensembles, seine Rede strahlt Ernsthaftigkeit aus, er antwortet und will überzeugen, bleibt natürlich bildeigenschaftig stumm, aber sein halb geöffneter Mund trägt engagiert seine Haltung vor.
Der Gitarrenspieler hat den rechten Arm über sein Instrument gelegt, er spielt, muss aber nicht hingucken, er lächelt und schaut herausfordernd mit schräg gelegtem Kopf in die Runde.
Die Bilder an der Wand sind Zeugnisse fotografischen Tuns, abgeschnittene Leiber und Köpfe, ein Mensch guckt aus dem Bild hinaus auf den Rahmen, was fotografiegesetzlich verboten ist.
Ich verorte das analoge Foto auf Anfang bis Mitte der Siebziger, die Haare sind modisch lang, der Geist offen und libertär, die Kleidung freizeitlich.
So ein Treffen im Wohlfühlkreis, mit fast Gleichgesinnten, es gibt immer was zu erzählen, und man hat sich gern.
Schöne Zeit, das.
felixfoto01 28/05/2024 18:34
Ich sehe drei Männer, mindestens zwei davon sitzen, vielleicht alle drei, eineinhalb Bilder an einer Wand und ein Stück Wand.Die von mir aus am weitesten links sitzende Mann sitzt mit dem Rücken zum betrachter und hält eine Gitarre. Seine Lippen sind zusammengepresst. Er blickt nach rechts ins Bild. Der Mann in der Mitte schaut nach links unten, hinter den linken Mann irgendwo. Der am weitesten rechts sitzende Mann war am nächsten zur Kamera und nimmt ca. 1/3 der Bildfläche ein und hält seinen Kopf auf seiner Hand abgestützt.
Während die Köpfe der beiden Männer links und in der MItte etwas gleich groß sind, ist der Kopf aufgrund der Nähe zur Kamera wesentlich größer. Die Köpfe der beiden Männer links und in der Mitte befinden sich beide auf gleicher Höhe, während der rechte Kopf auch in der Höhe nach oben versetzt erscheint. Abstrakt betrachtet sind das zwei kleine Kreise und ein großer Kreis. (in dem nochmal zwei kleine Kreise sind (die Augen)) - könnte man sehr abstrakt auch als Musiknoten ansehen -
Wenn man von dem linken Mann eine Blicklinie ziehen würde nach rechts, würde sie das Bild in der horizontalen halbieren. Parallel zu dieser, gedachten, Linie sind die Bilder angeordnet und auch parallel zum oberen Bildrand.
Betrachtet man die Schultern der Männer, der Mann in der Mitte sitzt am weitesten weg, ergibt sich eine Zick-Zack Linie die sich in Richtung des Betrachters ausbreitet. Diese Linie drittelt das Bild ungefähr vertikal. 1:2 - links : rechts. So gesehen betrachte ich das Bild in der Drittelregel, eher klassisch, mit einer für mich in der Mitte liegenden "Horizontlinie, durch die gedachte Blicklinie): Unten vornehmlich dunkel, oberhalb dieser gedachten Linie vornehmlich hell.
Der rechte Mann ist auf etwas fokussiert, es ist nicht erkennbar, ob er mit jemandem spricht oder etwas betrachtet, sein Mund ist leicht geöffnet.
Es gibt, durch den Bildaufbau einige Aspekte, die mich ansprechen, aber das Foto wurde vermutlich in relativer Dunkelheit aufgenommen Es rauscht sehr stark und so erkläre ich mir auch die Unschärfe im Bild. Das dämpft den Genuß für mich ziemlich.
Es gibt noch einige andere Aspekte im Bild, die ich interessant finde, z.B. die Wölbung der Hand hat ihre Entsprechung in der Form der Kapuze (Call and Response). Andere Aspekte würde ich lieber zeigen, als sie zu beschreiben.
Horst.F 28/05/2024 14:56
1. Drei junge Männer, davon zwei im unschärferen Hintergrund; die Hauptperson nahezu die rechte Bildseite füllend, abgebildet vom Kopf bis zum Brustkorb auf einem möglicherweise sogar analog aufgenommenem SW-Foto. Im Hintergrund sind außerdem zwei gerahmte SW-Fotos an der Wand auszumachen.Handwerklich fallen das Rauschen, die Lichtreflexe und die Schärfe des Fotos auf. Die liegt auf Hemden- und Kapuzenkragen der Hauptperson. Links oben erscheint das Foto nicht ausgerichtet,
2. Die zwei Hintergrundmänner sitzen zusammen, der eine hält eine Gitarre im Arm und der andere schaut seitlich am Musikanten vorbei. Die Hauptperson hält sich die linke Hand an die Wange und blickt konzentriert redend am Fotografen vorbei in die Höhe.
3./4. Durch den Bildaufbau und -schnitt fühle ich mich ins Bild hineingezogen und vermute als Umgebung einen größeren Raum, in dem junge Leute in lockeren Sitzgruppen ungezwungen feiern, singen und sich entspannt austauschen. Die Mimik und die Lichtreflexe in den Augen der Hauptperson erzählen mir davon, daß sie sehr beteiligt ist, nachgedacht hat ("Geistesblitz") und nun jemandem ihre Gedanken mitteilt. Da die Lichtreflexe auch auf den gerahmten Wandbildern zu finden sind, könnte es symbolisch gedeutet in dem Gespräch sogar um fotografische Sachverhalte gehen. Wenn ich auch die Schärfe auf dem modernen Kapuzenkragen als bewußt gesetzt annehme, könnte sie vielleicht ein Hinweis darauf sein, daß dieses Foto eins aus diesen Tagen und kein analog aufgenommenes aus früheren Zeiten ist. Genausogut möglich wäre, daß der Fokus nicht so sitzt, wie der Fotograf das wollte. Dann hätte er das Foto trotz dieses Fokusfehlers und auch trotz der Lichtreflexe und trotz des Rauschens veröffentlicht, weil es ihm aus anderen Gründen wichtig war; z. B. wegen des Erinnerungswertes dieses Fotos. Vielleicht hat er ja in diesem lockeren Beisammensein genau den Augenblick festgehalten, in dem d i e neue Idee für die Weiterentwicklung eines Unternehmens erdacht wurde.
Matthias von Schramm 28/05/2024 13:13
Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Ich sehe drei alterslos wirkende Männer, die mich an die Freunde meiner älteren Geschwister erinnern, die Anfang der 1950er Jahre geboren wurden und nun allmählich die 70 überschritten haben und überschreiten werden. Ich habe einen Geruch meiner Kindheit in den 1970er Jahren in der Nase. Ich höre Gitarrenklänge, aus meiner damaligen Sicht ältere Leute, die schon im Studium oder Beruf waren. Ich mochte und mag ihre Gesichter. Ewige Flanel-Hemden, vorzugsweise langes Haarkleid, Bärte und Koteletten. Gespräche über Gott und die Welt, Philosophie, Frauen und Politik. Diese ungereimten Antworten, die man als Kind erhielt, wenn man mehr wissen wollte. Eine immer wiederkehrende Antwort: Ich muss jetzt langsam mal los!Das Bild könnte ein qualitativ übersichtlicher Scan eines analogen Fotos aus dieser Zeit sein in SW. Der Mann im Vordergrund stützt seinen Kopf (etwas was die Eltern einem immer bei Tisch verbaten), der Blick geht hinauf. Er scheint im Gespräch vertieft zu sein. Hinter ihm dieser freundlich dreinschauende Mann mit der Gitarre, der offenbar grade spielt und an der Wand des weißen Innenraumes ein nach unten seitlich blickender Mann. An der Wand Fotografien. Beine. und Schatten, zum Teil berockt, weisse Kniestrümpfe, vielleicht Kinder in Schuluniformen. Daneben ein Porträt eines Kindes, welches möglicherweise eine Krawatte einer Uniform trägt. Es könnte also im Haus eines Vaters sein, wo die drei sitzen (ich gehe davon aus, dass sie an Tischen sitzen). Man musiziert, unterhält sich, vielleicht überbrückt man auch nur Wartezeit.
Eine Möglichkeit ist auch, dass hier drei Bandmitglieder ein wenig chillen und sich seelisch auf ihren Auftritt vorbereiten. Solche Auftritte waren in dieser Zeit nicht selten in Schulaulas, bzw. im Auditorium einer Universität. Die Fotos an der Wand könnten zu derartigen Räumen passen. Da zumindest das rechte Foto einen etwas artifiziellen Eindruck hat, könnte ich auch an ein Künstler- Café denken.
Das Foto wirkt ein wenig so gestaltet, wie man z.B. Collagen für YouTube Tumbs fertigt - als hätte man drei Blicke zusammengesteckt und verschoben. Das ist hier aber vermutlich nicht der Fall. Auffällig auf diesem Bild sind die Blicke und Kopfhaltungen der drei.
Sie sehen alle in eine andere Richtung. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, zumindest in diesen Augenblick, der Mann im Vordergrund vielleicht noch mit seinem Gegenüber, evtl. der fotografierenden Person. Grafisch geben diese drei verschiedenen Blicke und Kopfhaltungen Ruhe ins Bild und letztlich so etwas wie Rahmen und Inhalte. Auf den schmalen Rahmen der Fotografien hinten im Bild reflektiert einfallendes Licht und durchbricht Stille und Grafik. Wenn sie auch klein sind, diese Reflexe stören mich eher, als das sie dem Bild etwas geben.
Die Szene ist sehr eng, sie wirkt wie ein komprimierter Ausschnitt. Wieviel Menschen gleichzeitig in diesem Raum sind, kann ich nicht erkennen. Ich schätze, es sind deutlich mehr als diese drei Personen plus Fotografierenden. Ein Foto, was letztlich aufgrund seiner Atmosphäre einer bestimmten von mir Zugeordneten Zeit faszinierend auf mich wirkt und was ich gerne eine Weile betrachte.
_visual_notes_ 28/05/2024 1:44
Ich sehe ein s/w-Foto in technisch geradezu lachhaft schlechter Qualität, vermutlich aus den 1970ern, der Zeit, als ich selbst ein Teenager war und auch so aussah wie zwei dieser junge Männer auf dem Foto (mein Vater sagte immer: "Lange Haare, kurzer Verstand").Schon viele Fotos aus den 1940ern sind technisch viel besser. Dieses Foto ist auch definitiv kein künstlerisches Bild, sondern ein reines Erinnerungsbild, jedoch wirkt es auf mich insofern, als ich mich quasi selbst wiedererkenne: wir hatten in den 1970ern und noch bis in die 80er hinein solch lange Haare, spielten Gitarre - okay, das taten auch die mit den kurzen Haaren, aber wir versuchten uns an "Gitano" von Santana oder "East meets West" von Jukka Tolonen, und die anderen, die wir nicht ausstehen konnten, nannten ihre Gitarre "Klampfe" und spielten Lieder mit drei Akkorden aus der Mundorgel - "Die Affen rasen durch den Wald" oder "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten".
Wir waren Kriegsdienstverweigerer, gingen 1981 bis 1983 auf die Demos gegen die Aufrüstung der NATO. Obwohl Fußball eher ein Unterschichtensport ist und wir uns sehr elitär fühlten, mochten wir Fußball, aber nur Leute wie Johan Cruyff (Kettenraucher), Paul Breitner (Maoist) oder George Best („Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst“).
Wir saßen bei irgendwem aus der Clique zu Hause, die Gitarre war eigentlich kein Begleitinstrument, sondern eine Art Waffe, um andere zu beeindrucken. Wir ließen gern Begriffe fallen wie "dialektischer Materialismus" oder "Kulturindustrie", um zu zeigen, wie gebildet wir sind, wir rauchten und tranken (zu) viel, und erstaunlicherweise haben wir trotz solch lächerlichen (A-)Sozialverhaltens ein paar gute Freunde und sogar manchmal wochen- oder gar monatelang eine Freundin gehabt, obwohl wir wirklich ziemlich schmuddelig, arrogant und nervig waren.
Die Augen des Mannes rechts interpretiere ich nicht als "Nicht schon wieder", sondern ich denke, er redet mit einer Person, die sich neben dem Fotografen / der Fotografin befindet. Der Guitarrero sieht für mich sehr selbstzufrieden aus, der andere eher nachdenklich. Mir sind die drei eigentlich egal, aber weil die Szene und deren Outfit mich an vergleichbare Szenen in meinem eigenen Leben erinnern, mag ich das Foto.
Und auch den (Aus-)Schnitt mag ich, ich habe den Eindruck, direkt "mittendrin statt nur dabei" zu sein.
Bellegrabbe 27/05/2024 16:44
Anscheinend reicht es mal locker eineinhalb gerahmte Fotos zu zeigen, in Verbindung mit dem Bildschnitt, um Wichtiges von nicht soo wichtigen Bildelementen zu trennen:Die Bilder der Ausstellung ( von denen nur ein kleiner Teil sichtbar ist ) u n d der Mensch , rechts im Vordergrund.
Er ist die Hauptperson; die Anderen sind nun mal da! Punkt.
Es ist dieser Blick, dieses konzentrierte Schauen.Dieses Staunen, es sieht ein bißchen so aus als betrachte ER die Bilder, die sich hinter ihm an der Wand befinden...
Ich denke der Schauende ist für den Bildautor kein fremder Mensch, den man mal so zufällig in 'ner Ausstellung getroffen hat...
Nein... hier ist gutes gegenseitiges Kennen, Freundschaft und Enthusiasmus
für die gemeinsame "Sache Photographie" zu sehen.
Näher geht's kaum.
Das macht die Stärke dieser Photographie aus.
Details, die mir gefallen:
Mir gefallen die kleinen Lichtreflexe an Armbanduhr, Augen und Bilderrahmen.
Sogar in der Dunkelheit der Unterseite des Gitarrenbodens ist ein Reflex zu erkennen.
Vielleicht ist die Szene mit Blitz dezent aufgehellt...
Vielleicht bringt ein Spiegel diese Lichtakzente in das Bild...
Der Oberlippenbart des Gitarristen kommt auch gut; das Gesicht ist ja etwas fahl...
Und genau dieser Bart korrespondiert in seinem Grauton und der Form wirklich prima mit dem Uhrband.
( ... Hommage an ... *F*...)
Zusatz (29. Mai 2024):
Mich wundert es schon, daß viele hier das Foto in die 1970er "verorten" - - es also als eine analoge Fotografie betrachten.
Meiner Meinung nach ist es eine digitale Fotografie; ich schätze so 'mal
die Dekade 2010/20.
Vielleicht ein kleiner Sensor, der "normale Aufnahmen" mit ner ISO-Einstellung mit
80 - 200 ISO meistern kann.
Dann aber ...hmm... ab 400 ISO z.B. Probleme bekommt/macht.
Dazu vielleicht ein bißchen "Körnung für's Foto" - -gibt's in jeder Bildbearbeitung.
So ist der Bildeindruck für mich.
framebyframe 27/05/2024 11:07
Das Bild ist vermutlich ausgeschnitten, damit eine gewiße Aussage rüberkommt. Etwas mehr Schärfe geht auf die Kapuze des Sweatshirts und streift das rechte Auge eines der drei Männer, die wohl in den Zwanzigern studentisch zusammensitzen. Vielleicht eher 70er, wg. der Haartracht? Die Kapuze des Sweatshirts scheint man sich hier über die Ohren ziehen zu sollen. Da hocken drei zusammen, die sich nicht (mehr) viel zu sagen haben. Scheinbar geht auch ein musikalischer Solidarisierungsversuch ganz daneben. Gar hat da jemand 'Blowing in the wind' spielen wollen. Weit ist er sicher nicht gekommen. Also, vorne rechts haben wir eine Person, die den Kopf in der linken Hand abstützt. Eine lederbearmbandete Uhr kann als Hinweis verstanden werden, dass da die Zeit abgelaufen ist. Die Augen haben den typischen nach oben gerichteten Ausdruck: Nicht schon wieder. Der Mund ist leicht geöffnet.Links ist dann der Urheber postiert mit Gitarre. Ein Oberlippenbart unterscheidet ihn von den anderen der Gruppe. Aber der Blick der Augen geht dahin wo er bestimmt nie auf den der anderen treffen würde. Die Lippen wirken etwas zusammengepresst. Dann haben wir noch den dritten im Bunde im Hintergrund. Man möchte nicht wissen, was da für eine Stimmung geherrscht haben muss? Der Blick eines fein angewiderten Gesichts geht strikt ganz weit weg von den anderen zwei. Aufgehängte Bilder an der Wand kann man nicht zuordnen. Aber was ging da ab? Das Grauen des progressiven Alltags? Oder: Ich kann dieses Stück nicht mehr hören? Drei Blicke, drei Linien, die sich nicht treffen wollen. Fast möchte man lachen. Ein bemerkenswertes Dokument.